26. August 2025
Die anstehende Einführung der zweiten Generation des Eurocode 2 markiert einen bedeutenden Schritt für den Betonbau in Europa hin zu mehr Praxisnähe, Wirtschaftlichkeit und mit wichtigen Anpassungen an neue Bauweisen. Mit der neuen Fassung der Norm, deren deutsche Umsetzung inklusive nationalem Anhang für das Jahr 2027 erwartet wird, gehen strukturelle und inhaltliche Änderungen und Neuerungen einher. Neben neuen Nachweisformaten, erweiterten Materialmodellen und aktualisierten Bemessungsverfahren betrifft dies sowohl die Grenzzustände der Tragfähigkeit (z. B. Durchstanzen, Querkraft, Verankerungen) als auch die Gebrauchstauglichkeit (z. B. Rissbreiten- und Durchbiegungsbegrenzung). Gleichzeitig eröffnet der neue Eurocode 2 vielfältige Möglichkeiten zur Integration nachhaltigerer Bauweisen und innovativer Baustoffe – etwa durch die Berücksichtigung nichtmetallischer Bewehrung, verkürzter Verbundlängen oder CO₂-reduzierter Materialien.
Gerade für Planungsbüros und Bauunternehmen im Bereich des Fertigteilbaus stellt die bevorstehende Umstellung eine erhebliche Herausforderung dar. Etablierte Prozesse in Konstruktion, Bemessung und Produktion müssen an die neuen Anforderungen angepasst werden – jedoch verbunden mit neuen Chancen die eigenen Produkte durch positive Auswirkungen Abläufe entlang der gesamte Wertschöpfungskette.
Ziel des Projekts ist es, die normativen Änderungen für die wichtigsten Anwendungsfelder frühzeitig systematisch zu analysieren, praxisnah zu bewerten und in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Partnern Leviat, KLEUSBERG, HOCHTIEF PPP Solutions, JOHANN BUNTE sowie dem Institut für Massivbau der RWTH Aachen University auf konkrete Anwendungen zu übertragen. Im Zentrum stehen dabei reale Produkte und Arbeitsprozesse der Partner, anhand derer die Unterschiede zwischen der bestehenden Fassung (DIN EN 1992-1-1:2011 inkl. NA) und der neuen Version (prEN 1992-1-1:2023) nachvollziehbar herausgearbeitet werden. Anhand ausgewählter Bemessungsbeispiele können die Auswirkungen auf die Praxis gezielt demonstriert und neue Potenziale – etwa in Bezug auf Ressourceneffizienz oder CO₂-Reduktion – identifiziert werden.
Durch die frühzeitige Aufbereitung der Erkenntnisse in zielgruppengerechter Form werden praktische Hilfestellungen für die Implementierung erarbeitet und stehen den beteiligten Mitgliedern bereits vor der bauaufsichtlichen Einführung bereit. So unterstützt das Projekt nicht nur die normkonforme Umstellung, sondern auch die strategische Vorbereitung auf den Wettbewerb von morgen – technisch, wirtschaftlich und im Sinne der Nachhaltigkeit.
